Allgemeine Informationen zu psychischen Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten

Was ist eine psychische Erkrankung? Habe ich eine psychische Erkrankung?

Psychisch erkrankten Menschen ist häufig zunächst nicht bewusst, dass sie an einer psychischen Störung leiden. Ohne entsprechendes Fachwissen ist es schwierig, psychische Beschwerden richtig einzuordnen. Im Nachhinein beschreiben Betroffene häufig einen „schleichenden Prozess“ bis zur Diagnosestellung. Wissenschaftliche Studien sprechen eindeutig dafür, dass eine frühzeitige Behandlung den Heilungsverlauf verbessert oder sogar das Entstehen des Vollbildes einer Erkrankung verhindern kann (z.B. bei Psychosen). Das heißt, je weniger Zeit vom Beginn der Erkrankung bis zur Behandlung vergeht, desto besser sind insgesamt die Heilungschancen. Um eine psychische Erkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, sind für die Betroffenen Informationen über Erkrankungen und Behandlungen sowie ggf. professionelle Hilfe wichtig.

Menschen mit psychischen Belastungen erleben unterschiedliche Beschwerden (Symptome), die unterschiedlich stark ausfallen. Die Symptome können einen mehr oder weniger großen Einfluss auf den Alltag und die Funktionsfähigkeit der Betroffenen haben. Häufige Reaktionen auf Belastungssituationen sind Gefühle von Traurigkeit, Angst oder innerer Anspannung, die auch sehr stark sein können. Diese Beschwerden nehmen in der Regel nach einer gewissen Zeit von alleine ab. Wenn sie jedoch länger andauern oder weitere hinzukommen - etwa Panikattacken, Suizidgedanken, Selbstverletzungen oder Wahngedanken - und zu immer größeren Problemen im Alltag führen, sollten sich Betroffene (ggf. auch ihre Angehörigen) professionelle Hilfe suchen.

Der Begriff psychische Erkrankungen umfasst verschiedene Krankheitsbilder, die in unterschiedlichen Schweregraden auftreten.

Wichtig zu wissen: Psychische Erkrankungen

  • können die Wahrnehmung, das Denken, Stimmungen und das Verhalten beeinflussen,
  • sind viel verbreiteter, als man denkt,
  • sind kein Zeichen von persönlicher Schwäche,
  • können im Prinzip jeden treffen,
  • werden von jedem anders erlebt und
  • können in den meisten Fällen wirksam behandelt werden.

Psychische Erkrankungen können nicht „einfach“ mit Hilfe eines Tests festgestellt (in der Fachsprache: diagnostiziert) werden, wie es zum Beispiel bei einem Knochenbruch mit einer Röntgenaufnahme der Fall ist. Eine Diagnose kann nur von einem erfahrenen Arzt oder Psychotherapeuten gestellt werden. Ein Arzt oder Psychotherapeut kann in einem ausführlichen diagnostischen Gespräch herausfinden, ob und unter welchen psychischen Erkrankungen der Betroffene leidet. Zuvor ist jedoch eine körperliche Untersuchung erforderlich, um körperliche Erkrankungen - wie z. B. eine Schilddrüsenerkrankung – als mögliche Ursache der psychischen Beschwerden auszuschließen. Anschließend findet beim Arzt oder Psychotherapeuten ein ausführliches Gespräch über die einzelnen Beschwerden, die Vorgeschichte und weitere körperliche und psychische Erkrankungen statt. Dabei können auch psychologische Instrumente wie Fragebögen zum Einsatz kommen. In diesem diagnostischen Gespräch geht es darum, das Gesamtbild aller Beschwerden zu erfassen und diesem eine Diagnose zuzuordnen. So stellt der Arzt oder Psychotherapeut fest, ob der Patient unter einer bestimmten psychischen Erkrankung (oder auch unter mehreren) leidet und wie stark diese ausgeprägt ist. Das ist sehr wichtig, denn die Art der Therapie kann sich je nach Art und Schwere der Erkrankung erheblich unterscheiden.

Sie können ergänzend mithilfe verschiedener Online-Tests selbst eine erste Einschätzung Ihrer momentanen Situation vornehmen: http://www.psychenet.de/de/selbsttests.html. Bitte beachten Sie: Diese Online-Tests ersetzen keine fachliche Diagnose. Wenden Sie sich hierzu bitte an Ihren Hausarzt, an einen Facharzt (z.B. Psychiater oder Nervenarzt/Neurologe) oder an einen Psychotherapeuten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen gibt es insbesondere zwei wirksame Behandlungsoptionen: Psychotherapie und die medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva). Bei einigen psychischen Erkrankungen ist auch eine Kombinationstherapie (Psychotherapie + Psychopharmaka) sinnvoll. Hier sollte individuell und in Absprache mit einem Arzt und/oder Psychotherapeuten über ein geeignetes Vorgehen entschieden werden.

Psychotherapie darf nur von Psychotherapeuten oder Fachärzten durchgeführt werden. Eine Psychotherapie kann in Gruppen-, Einzelsitzungen oder in einer Kombination aus beidem stattfinden. Außerdem gibt es unterschiedliche Verfahren in der Psychotherapie. Diese unterscheiden sich in der Grundhaltung des Psychotherapeuten, in ihrem Therapiekonzept und darin, wie sie die Entstehung von psychischen Erkrankungen erklären.

Für drei dieser Verfahren übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten:

Eine medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka muss immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Bei Medikamenten kann es neben den erwünschten Wirkungen auch zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Der behandelnde Arzt klärt den Patienten in einem Gespräch darüber auf, so dass beide gemeinsam Nutzen und potentiellen Schaden abwägen können. In der Regel treten schwere Nebenwirkungen eher selten auf bzw. schwächen sich im Verlauf der Behandlung ab. Da aber Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten können, sollten Patienten stets Rücksprache mit ihrem Arzt halten, bevor sie ein weiteres Medikament – auch frei verkäufliche – einnehmen.

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